Department of Music

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Irony, Montage, Defamiliarization: The Politics of Form
Vienna, November 2001


Symposium

Ironie, Montage, Verfremdung:

Politik der Form



Zeit/Ort:

23. bis 25. November 2001,
in den Räumen des Instituts für Gegenwartskunst,
Akademie der Bildenden Künste, 1010 Wien, Schillerplatz 3, Raum Mezzanin
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Zur Anwendbarkeit einer zentralen These der Moderne

Die forcierte Montage, die Verfremdung oder die Ironie waren ästhetische
Verfahren, die so unterschiedliche soziale und künstlerische Bewegungen
wie die Surrealisten, das Expanded Cinema oder die Punks benutzt haben, um
eine von Gewohnheit abgestumpfte Wahrnehmung aufzufrischen, sich von
"falschen" Vorstellungen und Ideologien zu befreien und eine "gerechtere"
oder "emanzipiertere" Schau der Dinge zu erreichen.

Dieser Aufladung des Formalen mit gesellschaftspolitischer Bedeutung steht
die zeitgenössische Diskussion mit großer Skepsis gegenüber. Es ist von
allen Politiken mehr die Rede als von jener der Form. Dabei wird freilich
übersehen, daß visuelle Medien auf der formalen ebenso wie auf der
inhaltlichen Ebene in gesellschaftliche Auseinandersetzungen involviert
sind. Auch wenn die "These" von der "Politik der Form" natürlich nicht
mehr so programmatisch ausgerufen wird wie noch in den 1920er oder 1970er
Jahren, so sucht sie die zeitgenössischen kulturkritischen,
kulturwissenschaftlichen oder kunsthistorischen Texte dennoch gleichsam
wie ein Gespenst heim. Es gibt eine neue Unsicherheit im Umgang mit der
Form von Texten und Bildern. Die Kulturtheorie ist, wie es scheint, mit
dieser These noch nicht fertig geworden.

Das Symposium setzt sich das Ziel, Geschichten und Theorien der Anwendung
der Politik-der-Form-These im 20. Jahrhundert zu diskutieren, um auf diese
Weise zu einer Neuformulierung der Frage nach der politischen Wirksamkeit
ästhetischer Formen zu kommen.


Programm

Freitag, 23. 11. 2001, 10-18 Uhr

Politik und Rhetorik

10.00 Catachresis and the Limits of Literality
Ernesto Laclau

10.45 Diskussion

11.30 Neither Here Nor There
Alexander Garcia Duettmann

12.15 Diskussion

13.00 Mittagspause

14.30 Dialog mit der Performance-Kunst

Improvising Difference
Susan Leigh Foster

15.15 Diskussion

16.00 Workshopgespräche

Forms of Knowledge - in the Context of Art, Technology and Cultural 
	Studies
Marianne Kubaczek, Wolfgang Pircher und Eva Waniek

agency@?, Susanne Lummerding

Politics. Memory. Culture
Oliver Marchart

Catachrestic Resignifications. The Politics of the Performative
Gerald Posselt



Samstag, 24. 11. 2001, 10-18 Uhr

Die Partikularität und Universalität des (bewegten) Bildes

10.00 Forming Couples: Godard's Contempt
Leo Bersani

10.45 Diskussion

11.30 Zerstreuung, Affektion, Projektion - die Politik des Films
Heide Schlüpmann

12.15 Diskussion

13.00 Mittagspause

14.30 Dialog mit der Filmkritik

Movies as Politics
Jonathan Rosenbaum

15.15 Diskussion

16.00 Workshopgespräche

Vampiric, Judith Fischer

Mouldable Bodies, Christina Lammer

"Madam, I'm Adam": What Comes Up When the Politics of Form Go Down?,
Robert Pfaller

Making Meaning. On the Rhetoric of Exhibition Displays, Regina Wonisch

20.30 $Shot (im Tanzquartier Wien)*

Jennifer Lacey, Nadia Lauro, Andrea Parkins, Erin Cornell



Sonntag, 25. 11. 2001, 10-13 Uhr

Die verschiedenen Sprachen der Dinge

10.00 Aesthetics and Anti-Aesthetics: "New Age" and "Black Block"

Mario Perniola

10.45 Diskussion

11.30 Dialog mit dem politischen Theater

Articulations: Histories in and of Things
Theodora Skipitares

12.15 Diskussion

13.00 Ende des Symposiums



Leo Bersani war viele Jahre lang Vorstand des Französisch-Instituts an der
Universität von Kalifornien in Berkeley und Professor am Collège de
France, an der Ecole des hautes études en sciences sociales und an der
Harvard Universität. Publikationen u.a.: The Freudian Body: Psychoanalysis
and Art (1986), Arts of Impoverishment: Beckett, Rothko, Resnais (1994,
Co-Autor: Ulysse Dutoit), Homos (1995), Caravaggio's Secrets (1998,
Co-Autor: Ulysse Dutoit), Derek Jarman's Caravaggio (1999, Co-Autor:
Ulysse Dutoit).

Alexander Garcia Duettmann lehrt Philosophie an der Middlesex Universität
in London. Publikationen: Das Gedächtnis des Denkens. Versuch über
Heidegger und Adorno (1991), Uneins mit Aids (1993), Zwischen den
Kulturen. Spannungen im Kampf um Anerkennung (1997), Freunde und Feinde
(1999), Kunstende (2000).

Susan Leigh Foster, Choreographin und Autorin, ist Professorin für Tanz an
der Universität von Kalifornien in Riverside. Publikationen: Reading
Dancing (1988), Choreography and Narrative (1998), Choreographing History
(1995, Hg.), Corporealities (1995, Hg.), Dances That Describe Themselves
(erscheint in Kürze).

Ernesto Laclau ist Vorstand am Institut für politische Theorie an der
Universität Essex und ebendort auch Direktor des Doktoranden-Programms
"Ideology and Discourse Analysis", Professor am Institut für vergleichende
Literaturwissenschaft an der Universität Buffalo, NY und unterrichtet
derzeit auch an der New School for Social Research in NYC. Publikationen
u.a.: Hegemony & Socialist Strategy. Towards a Radical Democratic Politics
(1985, Co-Autorin: Chantal Mouffe), New Reflections on the Revolutions of
Our Time (1990), The Making of Political Identities (1994, Hg.),
Emancipation(s) (1996), Contingency, Hegemony, Universality. Contemporary
Dialogues on the Left (2000, Co-Autoren: Judith Butler und Slavoj Zizek).

Mario Perniola ist Professor für Ästhetik an der Universität von Rom "Tor
Vergata". Publikationen, darunter auf Deutsch: Der Sex-Appeal des
Anorganischen (1999), Widerwillen (Turia & Kant, erscheint in Kürze); und
auf Englisch: Enigmas. The Egyptian Moment in Society and Art (1995),
Ritual Thinking: Sexuality, Death, World (2001).

Jonathan Rosenbaum ist Filmkritiker für den Chicago Reader. Publikationen
u.a.: Moving Places, Film: The Front Line 1983 (1983), Greed (1993),
Placing Movies (1995), Movies as Politics (1997), Mitternachtskino (1998,
Co-Autor: J. Hoberman), Hier spricht Orson Welles (1998, Hg.), Movie Wars
(2000), Dead Man (2001), Abbas Kiarostami (Co-Autor: Mehrnaz Saeed-Vafa,
erscheint in Kürze).

Heide Schlüpmann, Mitherausgeberin der Zeitschrift "Frauen und Film" (seit
1983). Professur für Filmwissenschaft am Institut für Theater-, Film- und
Medienwissenschaften der Universität Frankfurt seit 1991. Publikationen
u.a.: Friedrich Nietzsches ästhetische Opposition (1977), Unheimlichkeit
des Blicks. Das Drama des frühen deutschen Kinos (1990), Ein Detektiv des
Kinos. Studien zu Siegfried Kracauers Filmtheorie (1998), Abendröthe der
Subjektphilosophie - eine Ästhetik des Kinos (1998).

Theodora Skipitares ist seit über 20 Jahren Multimedia-Künstlerin und
-Regisseurin. Ihre Arbeiten wurden in den Gallerien und Theatern der USA,
Europas und Asiens präsentiert. Zuletzt inszenierte sie eine Oper in
Vietnam, arbeitete mit indischen Schauspielern, Tänzern und Puppenspielern
in Bangalore. Ihr nächstes Projekt ist eine Performance mit
kambodschanischen Tänzern, Musikern und Puppenspielern. Sie lebt in NYC.


* Tanzveranstaltung des Tanzquartier Wien, Halle G, MuseumsQuartier

Symposiumsbesucher erhalten Karten um 50% ermäßigt


Veranstalter:

MA-null im offenen und Öffentlichen Raum


Anmeldung:

Wir bitten um Anmeldung zur Tagung bis zum 19. November, damit eine
entsprechende Anzahl von Tagungsmappen bereitgestellt werden kann. Mail an
annaschober@t0.or.at bzw. vraeaeth.oehner@blackbox.net oder Postkarte an
MA-null, Apollogasse 3/7, A-1070 Wien


Information:

http://www.culturalstudies.at/


Titelbild:

Tamara Grcic, Allerheiligenstraße/Breite Gasse, Frankfurt am Main 1996


Konzept, Organisation und Leitung:
Anna Schober und Vraeaeth Oehner


Impressum:
MA-null im offenen und Öffentlichen Raum
Apollogasse 3/7, A-1070 Wien


Unterstützt durch:

Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur (FSP
Kulturwissenschaften)

Wissenschafts- und Forschungsförderung, MA 7 Stadt Wien