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Internationales Kolloquium
«Musik und nationale Identität»

Universität Marc-Bloch, Straßburg, 18. und 19. Oktober 2007


Call for Papers

Organisiert von der Équipe d’Accueil EA 3402
« Approches contemporaines de la création et de la réflexion artistiques »

Das Kolloquium setzt sich zum Ziel, die Rolle und die Funktion der Musik
im Prozess der Identitätsfindung der europäischen Nationen zwischen 1830
und 1918 zu untersuchen. Im Zentrum der Diskussion steht der Begriff der
Konstruktion, da heute kein Historiker oder Ethnologe daran zweifelt, dass
die Idee der Nation und damit zusammenhängend jene der Ethnie zuallererst
identitäre Konstrukte sind. Der Begriff Konstruktion trifft zudem in
doppelter Weise zu: Zum einen, weil nationale Identität als Produkt der
Identitätsfindung eben konstruiert ist, und zum anderen, weil diese
Identität selber wiederum ein kulturelles Referenzsystem konstruiert.

Zunächst muss das Konzept der Konstruktion einer tiefgehenden Reflexion
unterzogen werden. Diskutiert werden sollen dabei historische Aspekte (der
Zusammenhang zum Aufkommen des Nationalismus und zur Bildung von
Nationalstaaten), philosophische Überlegungen (wie die romantischen
Theorien, welche der Musik die Fähigkeit zusprechen, direkter Ausdruck der
menschlichen Seele zu sein und damit gewissermaßen der Ort, wo die Seele
einer ganzen Nation zusammenfließt), aber auch geografische Einzelfragen.

Tatsächlich stellt sich das Problem der nationalen Identitätsfindung
verschieden, je nachdem ob eine Innen- oder Außenperspektive eingenommen
wird. Das zeigt sich einerseits in der Selbstwahrnehmung von Nationen "am
Rande Europas" gegenüber der Rezeption der großen Zentren und andererseits
darin, dass gerade die großen Nationen wie Frankreich und Deutschland das
Eigenbild kleinerer Nationen wesentlich mitgestaltet haben.

Das Kolloquium will über die verschiedensten Bereiche von nationaler Musik
nachdenken, sei es die Volksmusik (jene vielzitierte "Folklore", die
vielleicht neu definiert werden kann) oder die musikalische "Hochkultur".
Beide sollen als Konstruktionen verstanden werden, als Ergebnisse also und
nicht aus Ausgangspunkt nationaler Identitätsfindung. Die Diskussionen
über "nationale" Musik können zudem durch Überlegungen zu regionaler Musik
ergänzt werden, da die Problemkreise hier oft identisch sind. Regionen wie
das Elsass oder das Baskenland mit ihren "Identitätskrisen" im 19.
Jahrhundert bieten in dieser Hinsicht interessante Themenkreise.

Die Diskussionen sollen Aspekte der musikalischen Identitätsfindung vom
beginnenden 19. Jahrhundert bis zum Ersten Weltkrieg abdecken. Dabei
können einerseits allgemeine Faktoren bei der Herausbildung der
Nationalstaaten herausgearbeitet werden (Soziologie, Ideologie,
politischer Kontext in Europa) sowie andererseits Eigenheiten einzelner
Länder oder Regionen (Länder- und Lokalgeschichte, Folklore, etc.).
Folgende Aspekte können dabei unter anderem Berücksichtigung finden:

- die Schaffung nationaler Musik ("Nationale Schulen")
- die Kategorien "nationale" und "universelle" Musik
- das Interesse für Folklore und deren Erforschung aus ideologischen
  Beweggründen
- die Rolle der Musik bei Revolutionen und Konflikten (Märzrevolution von
  1848, Unabhängigkeitsbewegungen, Deutsch-französischer Krieg, Erster
  Weltkrieg etc.)
- die Ablehnung der Musik des Anderen: "ethnische Säuberung" des 
  nationalen Repertoires

Kongresssprachen: Französisch, Deutsch, Englisch

Während der zwei Kongresstage sind ca. 15 Vorträge von je 25 Minuten mit
anschließender Diskussion vorgesehen. Vorschläge für Vorträge sind bis
spätestens zum 15. Mai 2007 per E-Mail an die beiden Mitglieder des
Organisationskomitees zu schicken. Die einzureichenden Vorschläge sollten
einen provisorischen Titel, einen Abstract von höchstens 300 Wörtern (der
den Teilnehmern verteilt werden kann) sowie eine Kurzbiografie enthalten
(alles in einer der drei Kongresssprachen).

Die Publikation eines Tagungsberichtes ist vorgesehen. Nähere
Informationen dazu folgen später.

Wissenschaftliches Komitee:

Prof. Dr. Márta Grabócz, Professorin (UMB) und Direktorin der EA3402
Dr. Damien Ehrhardt, Lehrbeauftragter (Universität Evry)
Dr. Beat A. Föllmi, Leiter der Gesamtausgabe Othmar Schoeck (Zürich)
Dr. Nils Grosch, Deutsches Volksliedarchiv (Freiburg/Br)
Dr. Tatjana Markovic, enseignant-chercheur (Universität Belgrad)
Dr. Mathieu Schneider, Maître de conférences (UMB)

Organisationskomitee:
Dr. Mathieu Schneider (Straßburg) : mathieu.schneider3@wanadoo.fr Dr. Beat A. Föllmi (Zürich und Straßburg) : beat.foellmi@club-internet.fr
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Last updated Tue, 28-Mar-2006 13:33 GMT / GAC
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