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Colloquium "Prague Musical Life at the Beginning of the 20th Century", Prague, 29-30 May, 1998

The Bohuslav Martinu Foundation

Music, Arts, Culture and Religion at the Time of Czech Modernism

Friday 29 May 10 am - 12 am
Jaroslav Mihule: Religiöse Aspekte bei Martinu
Im Lebenswerk von Martinu gibt es eine Reihe von Kompositionen, die völlig offensichtlich, direkt im Vordergrund, eine Verbindung zu einem christlichen Thema herstellen. Im frühen Quartett es-Moll exponiert er im freien Satz das geistliche Lied ,Näher, zu Dir, Mein Gott", daß bereits zu Lebzeiten von Dvorak beliebt war. In der Böhmischen Rhapsodie greift er ähnlich wie Suk nach dem Choral des hl. Wenzel. Hier ist es lehrreich zu bemerken, daß sein patriotischer Appell hier wesenseigen mit der religiö sen Haltung verbunden ist: die zahlreichen einheimischen religiösen Symbole sind nämlich Symbole der böhmischen Geschichte: zu ihnen gehört auch der hl. Wenzel, Hus und Komenius.
Trotzdem ist diese Symbolik im Frühwerk von Martinu nicht tief und nur äußerlich. Sie verbindet sich mit dem allgemeinen Bewußtsein der Zeit, die ihre Identität auf einige wenige ausschließliche historische Gestalten stützt. Unter ihnen nimmt traditionsge mäß die Gruppe von Persönlichkeiten eine führende Stellung ein, die mit dem Glauben in Verbindung stehen, für den sie in den Augen des einfachen Volkes ihr Leben gelassen haben: der Fürst hl. Wenzeslaus, der Meister Jan Hus, Jan Amos Komenius.
Die Stellung zwischen religiöser Ergebenheit, bzw. auch der Ergebenheit gegenüber der Kirche und dem Atheismus der letzten Jahrhunderte suchte Martinu ebenso wie viele seiner Landsleute sein ganzes Leben lang.

Graham Melville-Mason: Martinu in England
Unlike Dvorak's nine visits to Britain and Janacek's famous 1928 visit, Martinu's two known trips were both "unofficial." Yet, like his two compatriots, he felt that Britain would be a nation responsive to his music. This talk examines Martinu's place in British concert life from the beginning until today.

2 pm - 5 pm
Siglind Bruhn: Musical Ekphrasis on a Puppet Drama of Death: Bohuslav Martinu's La Mort de Tintagiles after Maurice Maeterlinck
Ekphrasis - poetry (or, occasionally, prose) reacting to works of visual art - dates back to Homer's description of the "shield of Achilles" and has spawned a rich and varied field of works. Its musical equivalent - compositions based explicitly on specific works of literature or visual arts - is a fairly recent phenomenon. It crystalized itself from the more general field of program music toward the end of the 19th century. Martinu was among the first to explore the new genre, and, with three compositions (La mort de Tintagiles after Maeterlinck, 1910, Villa by the Sea after Böcklin, 1915, and Les Fresques de Pierro della Francesca, 1953) remains one of the composers who has contributed most to it. This paper will examine Martinu's early orchestral composition, Smrt Tintagilova, as a case study of musical ekphrasis.

Harry Halbreich: Über die Feldmesse (Polni mse) von Bohuslav Martinu.
Bis auf zwei ganz frühe, heute verschollene Gelegenheitsstücke (Offertorium un Ave Maria) hat Martinu keine liturgische Musik für den Gottesdienst vollendet. Aber das geistliche Element hat einen wichtigen Platz in seinem Gesamtschaffen inne, und zwar bis in die allerspäteste Schaffensphase. Das betrifft insbesondere seine Opern Die Marienspiele und Die Griechische Passion, aber die Liste der mit geistlichen Elementen durchdrungenen Werke Martinus ist viel länger: sie enthält u.a. die beiden Tschechischen Rhapsodien, Die Legende der heiligen Dorothea aus dem Ballett Spalicek, Vier Marienlieder, den Schlussteil der Kantate Kytice, die Oper What Men Live By, Drei geistliche Lieder, die Kantaten Hymne an Sankt Jakob, Mount of Three Lights sowie Legende aus dem Rauch des Kartoffelkrautes und auch das allerletzte, nicht mehr vollendete Werk, die Kantate Die Weissagung des Jesaja. In diesem Vortrag geht es um das Meisterwerk von 1939, die Kantate Die Feldmesse.

Saturday 30 May 10 am - 1 pm

Roman Musil: Einige Anmerkungen zu den religiösen Themen in der bildenden Kunst des böhmischen fin de siecle. The Revue Novy zivot.
Die religiösen Themen sind in der böhmischen bildenden Kunst an der Wende des 19. zum 20. Jahrhundert bedeutsam vertreten, und zwar im Schaffen der älteren aber auch der jüngeren Generation. Bei Josef Trenkwald, Antonin Lhota, Karel Javórek und weiteren Fortführern der Nasarener Tradition und des Historismus bestachen die Werke mit religiöser Thematik in der Regel infolge eines staatlichen oder kirchlichen Auftrages.
In einer völlig neuen Bedeutungsform machen sich die religiösen Themen im freien Schaffen der jüngeren Generation der Symbolisten breit, wie zum Beispiel bei E. K. Liäka, Felix Jenewein, Max Pirner, Leo Lerch, Frantiäek Bilek und anderen. Ihre Arbeiten entstehen oft ohne kirchlichen oder staatlichen Auftrag und sind für öffentliche Ausstellungsräume mit einem großen Besucherkreis bestimmt. Der biblische Text ist für sie eine inspirative Menge von Geschichten, die sich durch persönliche Erfahrung auch auf der gesellschaftlichen Ebene aktualisieren lassen. Der Subjektivismus und Individualismus der Schaffenden, der somit in die religiöse Ikonographie gelangt, bewirkt, daß die Gestalten des Alten und Neuen Testaments und insbesondere die Zentralfigur des Christentums, Jesus, in den schöpferischen Werken dieser Zeit einen neuen psychologischen Ausdruck und gleichzeitig auch eine ungewöhnlich menschliche Dimension bekamen. Einen Einblick in die damaligen Diskussionen bietet uns die von der sogenannten Katolischen Moderne herausgegebene Revue "Novy zivot".

Ales Filip: Passionsmotive in der bildenden Kunst Böhmens und Mährens am Anfang des 20. Jahrhunderts

Jarmila Gabrielova: Dvoraks und Kvapils Rusalka und das Lebensgefühl des fin de siecle.
Dvoraks und Kvapils Rusalka gilt für manche Zuhörer und Interpreten immer noch als schlichtes, rührendes und vermutlich auch etwas altmodisches Märchen, für andere dann als traurige Geschichte von einer typisch slawischen, leidenden und passiven Frauengestalt - jedenfalls als ein Werk, das in den Zusammenhang des Opernschaffens des 19. Jahrhunderts hin gehört. In der Tat steht sie mindestens an der Grenzscheide der Epochen, und zwar sowohl wegen ihrer Entstehungs- und Uraufführungszeit, als auch wegen der Tatsache, daß daran zwei verschiedenen Generationen zugehörende Verfasser Anteil nahmen. In meiner Deutung, die um die Titelperson und den dritte (Schluß-) Akt kreist, versuche ich auf jene Züge aufmerksam zu machen, die auf den Kontext der Kunst des 20. Jahrhunderts zielen. Dvoraks und Kvapils Rusalka verstehe ich vor allem als Drama des menschlichen Reifens und Freiwerdens und zugleich als Sinnbild des menschlichen Schicksals, der unerträglichen Schwere des Seins in Einsamkeit, die von einem nahezu existenziellen Ausmass ist. Ich gehe dabei nicht bloß vom Text aus, sondern von seiner Auslegung durch Dvoraks Musik, d.h. von der Analyse der Operndramaturgie und der Leitmotivik.

Zuzana Vlcinska: Religious Aspects in the Cantata Bouquet of Flowers by Bohuslav Martinu

Sigrid Wiesmann: Religiöses Musiktheater in unreligiöser Zeit

2 pm - 5 pm
Jarmila Doubravova: Dialog with God. Janacek, Suk and their Followers
It was Alex Pontvick who has designated music of J.S. Bach as a "dialogue with God." At that time, the attention was directed towards musical communication in close connection with the World War II and its victims. The new direction was open not only for the past but towards the future also. There were the authors in our past, who created the question of belief as a central part of their work. The other authors, articulating the problem of faith in their work, were influenced by some personal impulses. Not all the authors were, of course, been aware of the fact, that faith is the most suggestive part of communication and not in art only. This is valid in case of belief without religion but it is valid also in cases of disbelief or cynism of all kinds. Two types will be analysed from the point of view of belief, faith and intention and the open future will be shown.

John Nowak: Janacek's Nursery Rhymes as Microcosms of His Compositional Style
Leos Janacek's ebullient Nursery Rhymes [rikadla] (1925-7) occupy a unique position in the composer's output. The eighteen songs, scored for nine voices and a mixed instrumental ensemble, are imbued with a simplicity and lucidity that render them among his most witty musical offerings. In the Nursery Rhymes, his penultimate completed work, Janacek laid bare his most fundamental compositional techniques, coincidentally making them an ideal introduction to his style. The Rhymes were inspired by the whimsical illustrations of Czech artists Josef Lada, Ondrej Sekora and Rudolf Hala which depicted anonymous nonsense folk rhymes. The study begins with the examination of selected characteristics of his neotonal style as they occur in three of the Nursery Rhymes. These features include mixed meter and polymetric subdivisions, stratified textures, motivic structure and development, diverse scale resources, prevalent chord types, the avoidance of authentic cadences, pandiatonicism, key area biases, and progressive tonality. The paper examines two songs in their entirety, "The White Goat is Picking Pears" and "Frankie Plays the Bass", numbers 14 and 7 respectively, and concludes by looking at the ways in which the first nursery rhyme, "The Turnip's Wedding", serves as an exposition of the raw materials on which the cycle is based. The paper compares the musical processes of these songs to those of works by Janacek in other genres.

Jirina Vackova: The Regenschori Frantisek Picka and His Spiritual Compositions

e-mail: martinu@login.cz