Back to index
Reuter, Christoph

Die auditive Diskrimination von Orchesterinstrumenten
(Frankfurt: Lang, 1996, ISBN 3-631-30886-8)

Ph.D. Universität Köln, 1996
(a2215608@athena.rrz.uni-koeln.de)
(WWW: http://www.rrz.uni-koeln.de/phil-fak/muwi/forum/autoren/reuter.htm;
http://www.uni-osnabrueck.de/musik/lehre/enders_b/mech_mus.htm)

Wie ist es möglich, daß zwei oder mehrere Musikinstrumente, die gleichzeitig erklingen, trotz gegenseitiger Verdeckung noch voneinander unterscheidbar sind? Warum verschmelzen einige Unisono-Verbindungen sehr gut und andere wiederum sehr schlecht? Ein erklärendes Wahrnehmungsmodell der partiellen Verdeckung findet in diesem Buch seine musikpsychologische, psycho- und instrumentenakustische Begründung und bewahrt sich bei einer kritischen Durchsicht bisheriger Theorien und Experimente zum Ensemblespiel. Weiterhin findet es in sechs Hör-Experimenten (mit Unisonoklangfolgen in fast allen denkbaren Instrumentenkombinationen und Tonhöhe) seine Bestätigung. Nach diesen Ergebnissen läßt sich das bislang unübersichtliche Gebiet der Klangfarbenkombinationen radikal in vier Kernsätze zusammenfassen, die eine tiefere Einsicht in die abendländische Instrumentation ermöglichen:

  1. Hauptsächlich durch unterschiedliche Formantbereiche geprägte Klangfarben können im Unisono-Zusammenspiel gut voneinander getrennt werden.
  2. Hauptsächlich durch übereinstimmende Formantbereiche geprägte Klangfarben können im Unisono-Spiel nicht mehr voneinander getrennt werden. Sie verschmelzen homogen.
  3. Hauptsächlich durch Fluktuationen geprägte Klangfarben können im Unisono-Zusammenspiel aufgrund gleicher Klangmerkmale nicht mehr voneinander getrennt werden. Sie verschmelzen homogen.
  4. Spielen Instrumente, deren Klänge hauptsächlich durch Fluktuationen geprägt sind, zusammen mit Instrumenten, deren Hauptklangmerkmale die Formanten sind, bestimmt der Pegelunterschied zwischen den Instrumenten, ob sie getrennt wahrgenommen werden können oder nicht.


Blending and partial masking of orchestral instruments: English abstract of the main results:

Following the results presented in the thesis concerning the distinguishibility of instruments playing in unison, the hitherto hopelessly elaborate area of instrumental combinations can be now summarized in four key statements:

  1. Timbres of which the formant areas mainly diverge from one another can be distinguished well from one another when playing in unison (comparable to the results of the experiments of G.K. Sandell 1995, p. 239).
  2. Timbres of which the formant areas mostly correspond with one another are hard or impossible to tell apart from each other when playing in unison. They blend homogeneously.
  3. Timbres that are mainly characterized by fluctuations cannot be distinguished from one another when playing in unison: they blend homogeneously.
  4. When instruments that are mainly characterized by fluctuations play together with instruments whose main timbral characteristic is formants, then the difference in sound pressure level between the two groups or types determines if they are perceived separately or not.

(English translation: Stanley Hanks)